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Portrait- & Hochzeitsfotografie

Analoge Fotografie — das ist doch nur was für Hipster.

Die Kameras sind alt und haben bei weitem nicht so viele Funktionen wie ein iPhone. Filme sind teuer, die Entwicklung noch teurer und eine Dunkelkammer hat doch nun wirklich niemand mehr – wenn dann nur die Hipster. Warum fotografiere ich dann auf analogem Film? Wir leben in einer digitalen Welt — und das ist auch gut so. Vieles wird schneller, einfacher und angenehmer für uns durch den Einsatz von Computertechnologie. Dazu zähle ich auch die Kameras. Digitalkameras und insbesondere Smartphones bieten einer breiten Masse an Menschen einen unbeschwerten Zugang zu diesem wundervollen Medium Fotografie. Man muss kein Technik-Freak mehr sein, um eine Kamera zu bedienen, man muss kein Chemiker mehr sein, um überhaupt ein Foto zu Gesicht zu bekommen.

Alles ist digital — außer wir.

Wir Menschen sind analog, Gefühle und Emotionen bestehen nicht aus Einsen und Nullen. Wir sind einzigartig, unberechenbar, und schlussendlich eine Kombination aus chemischen Reaktionen. Und ich glaube das ist es, was mich an der Filmfotografie so begeistert. Sie ist zu einem großen Teil unberechenbar, manchmal stürmisch und kontrastreich, manchmal flau und weich. Es ist immer ein kleiner Kampf, mit Lichtverhältnissen, Kameras und dem Film selbst. Es gibt Momente, wo man am liebsten alles hinschmeißt und beleidigt nach Hause fährt, und dann wieder die großartigsten Freuden, nach einigen Tagen die Fotos das erste mal zu Gesicht zu bekommen. Jedes Bild ist einzigartig, eine Kombination von chemischen Reaktionen, die es nicht reproduzierbar machen. Viele Aspekte des Fotos kann man planen, zuletzt hat jede Fotografie aber ihren eigenen Charakter.

Analog, oh yeah!

Kameras & Shooting

Die Kameras – liebevolle Zicken

Für meine Filmfotografie setze ich verschiedene Kameras ein, die mir mittlerweile ganz schön ans Herz gewachsen sind. Alle haben ihre Ecken und Kanten, sind aber schlussendlich treue Seelen und machen ihren Job vorzüglich. Im analogen Mittelformat kommen die Pentax 6x7 oder Mamiya 645AFD zum Einsatz, je nach Lust und Laune – vor allen Dingen der Laune viel Gewicht zu tragen! Denn so schön ein großes Negativ auch ist, die umschließende Kameras bringen ein paar Kilogramm auf die Wage. Zum Vergleich: Das Mittelformat Negativ hat je nach Kamera die dreifache Größe des heutigen "Vollformat"-Chips. Das hat Auswirkungen auf Bildästhetik, Farbwiedergabe und Körnung, weshalb das Mittelformat bevorzugt bei Portraitarbeiten zum Einsatz kommt.

Daneben gibt es natürlich auch das analoge Kleinbild – das sind die klassischen Filmkartuschen, die man "von früher" kennt. Hier entspricht das Negativ so einigermaßen dem digitalen Kleinbild, meist aber in einer deutlich schmaleren "Verpackung". Hier ist die Leica M6 meine Brot und Butter-Kamera. Ein echtes "workhorse", das mit filigraner Mechanik auf kleinstem Raum begeistert. Robust und immer einsatzbereit.

Analog, oh yeah!
Analog, oh yeah!

Entwicklung & Dunkelkammer

Filmentwicklung

Sind die Fotos im Kasten beginnt der eigentliche Spaß der analogen Fotografie. Ihr müsst euch das so vorstellen: Belichtet man einen Film, werden winzige Partikel darauf von Lichtstrahlen berührt und reagieren je nach Lichtintensität verschieden. Taucht man den belichteten Film nun in eine Entwicklerflüssigkeit, so waschen sich weniger belichtete oder gar schwarze Flächen aus — der Film wird an dieser Stelle als dünner. Lichter und weiße Bildanteile bleiben bestehen, der Film bleibt also dicker.

So entsteht ein Bild mit umgekehrten Tonwerten — das sogenannte Negativ. Dieser Schritt der Entwicklung muss in kompletter Dunkelheit passieren, denn der Film nimmt, solange er noch nicht mit einem Fixierer versehen ist, immer noch Licht auf. Glücklicherweise gibt es genügend pfiffige Hersteller, die Tageslichttanks produzieren — damit funktioniert die Filmentwicklung tatsächlich ohne Umstände im eigenen Badezimmer.

Analog, oh yeah!

Dunkelkammer & Prints

Die Vollendung der analogen Fotografie ist mittlerweile fast immer der Scan – klar, denn wir konsumieren Fotos heute eben hauptsächlich in digitalen Medien. Doch ganz im Sinne des analogen Gedankens nutze ich hier und da einen Sonntag für die Vergrößerung von Fotos in der Dunkelkammer. Dieser Prozess ist einer der magischsten Momente der Fotografie. Komplette Dunkelheit, nur eine rote Lampe spendet ein wenig Licht. Es riecht nach Chemie. Leise surren die Lampen der Belichtungsmaschine. Nach kurzer Belichtungszeit taucht man das noch weiße Blatt Barytpapier in die Entwicklerflüssigkeit, und nach und nach erscheint wie von Geisterhand das belichtete Positiv. Tiefe Schwärzen, ein angenehmer Schärfenverlauf und die einzigartige Haptik.

Analog, oh yeah!